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Gezielte Bestandsvermehrung in der Imkerei

Thema der Versammlung des Imkervereins Salzkotten vom 15.05.1998

Autor: Dr. Thomas Klüner

Wie schon in den beiden letzten Jahren mussten wir Imker auch in diesem Jahr erfahren, dass Bienenvölker Mangelware sind. In vielen Gebieten Deutschlands sind z.T. bedeutende Völkerverluste (bis zu 90% in einigen Süddeutschen Landstrichen) zu verzeichnen. Auch in unserem Verein hat es einige Imker hart getroffen. Die Varroa-Milbe und damit auch andere Krankheiten nehmen stark zu. So ist auch in Zukunft mit beachtlichen Völkerverlusten zu rechnen. Während wir noch vor einigen Jahren wegen der sehr guten Honigernten unsere Bestände verkleinerten, sollten wir sie jetzt wieder vergrößern. Denn neben Bienenvölkern ist auch schon Deutscher Honig knapp vorhanden. Die Honiglager einiger Imker sind schon seit einigen Monaten leer. Fazit: Neben Honig und Wachs sollten wir nun auch Völker produzieren. Sei es um eigene Verluste, oder die unserer Kollegen auszugleichen oder um sie im nächsten Frühjahr zu verkaufen. Bevor ich einige Strategien zur gezielten Völkervermehrung erläutere, seien einige allgemeine Vorbemerkungen erlaubt.

Bevor Sie sich ein Ziel über die Zahl Ihrer in diesem Jahr einzuwinternden Völker setzen, sollte eine Bestandsprüfung durchgeführt werden. Der Umfang der Bestandserweiterung hängt von der momentanen Völkerzahl, Volksstärke und der zu nutzenden Trachten sowie Ihres noch vorhandenen Honigvorrats ab. Im allgemeinen gilt, je mehr starke Völker Sie zur Zeit haben und desto weniger Honig Sie benötigen, um so umfangreicher kann die Bestandserweiterung ausfallen. Des Weiteren sollten Sie sich Gedanken machen, wie stark die neuen Völker eingewintert werden sollen und was Sie im nächsten Jahr damit anfangen. Erst jetzt kann eine Auswahl unter den im folgenden von mir vorgestellten Strategien getroffen werden. 

Gerade wenn die Imkerei wenig Völker hat, oder sie stark erweitert werden soll, muss sparsam mit dem Bienenmaterial umgegangen werden. Daher rate ich im allgemeinen davon ab Ableger ohne eine legende Königin zu erstellen. Falls z.B. ein neues Volk mit einer schlupfreifen Weiselzelle aufgebaut werden soll, so vergehen mindestens zwei Wochen von der Erstellung des Völkchens bis zur ersten Eilage der Königin und somit fünf Wochen bis die erste Brut schlüpft. In dieser Zeit wird das Volk nicht erstarken, sondern schwächer werden. Diese Bienen wären besser in den Stammvölkern verblieben. Der Bestandsvermehrung geht daher die Königinvermehrung voraus. Die Königinnen sollten in kleinen Einheiten (Einwabenkästchen, Mehrwabenkästchen) zur Begattung aufgestellt werden. Wenn sie dann etwa eine Woche in Eilage sind, können sie für die Bestandsvermehrung eingesetzt werden. In die Begattungsvölkchen kann dann die nächste Zuchtserie eingeweiselt werden. Um effektiv arbeiten zu können, sollten sie möglichst viele Ableger gleichzeitig erstellen und beweiseln. Die Völker entwickeln sich dann mit dem gleichen Tempo und alle Arbeiten sind parallel durchzuführen.

Für die sparsamste und effektivste Methode der Bestandsvermehrung erachte ich die Brutablegerbildung, Kunstschwärme verlieren sehr schnell Volk und erstarken weitaus langsamer. Daher soll nur auf diese Form der Vermehrung eingegangen werden.

1. Konventionelle Methode (Schröpfen der Trachtvölker):
Zeitpunkt: Trachtvölker besitzen im Zweiraumbetrieb (Blätterstöcke) mindestens 8 Waben Brut, in Großraumbeuten ca. 12 Brutwaben und auch die Honigräume sind ausreichend mit Bienen besetzt. Das Schröpfen kann nach etwa zwei bis drei Wochen nochmals vorgenommen werden.
Durchführung: Aus jedem entsprechend starken Trachtvolk werden jeweils 2 verdeckelte (z.T. schlüpfende) Brutwaben mit ansitzenden Bienen in separate Beuten gesetzt. Dazu werden von jedem Volk noch die ansitzenden Bienen von 1-2 Brutwaben gefegt. Die Waben aller Völker können ruhig in einen Kasten gesetzt werden. Es darf allerdings keine Königin mit in den Kasten kommen, auch sollten alle eventuell vorhandenen Weiselzellen und Näpfe entfernt werden. Für eine ausreichende Lüftung ist zu sorgen. Die Bienen werden nun an einen anderen Platz verbracht (entweder zweiter Stand, oder Heimatstand bei Wanderung). Dort werden je nach Zahl der zu erstellenden Ableger Beuten mit einer Futterwabe bestückt und die Brutwaben nebst Bienen gleichmäßig auf die Beuten verteilt. Wenn überwinterungsfähige Einheiten aufgebaut werden sollen, so gilt folgende Regel: 2 Brutwaben Mitte Mai, 3 Anfang bis Ende Juni, 4 Ende Juni bis Mitte Juli, 5 und mehr ab Mitte Juli. Nachdem alle Beuten so bestückt sind und die Fluglöcher geöffnet wurden, werden die Königinnen sofort zugesetzt. Hierzu wird jeweils eine Wabe mit auslaufender Brut von Bienen befreit und die Königin mittels eines Aufsetzgitters auf dieser Wabe gesperrt. Diese Wabe kommt zwischen die anderen Brutwaben, so dass die Bienen den Käfig belaufen können. Den Abschluss bilden ein bis zwei Mittelwände oder neue ausgebaute Waben. Nach einem Tag kann die Königin unter Teigverschluss zugesetzt werden. Eine Kontrolle sollte frühestens nach einer Woche erfolgen.
Weitere Pflege: Bei dieser Kontrolle kann meist schon eine Mittelwand oder Leerwabe in das Brutnest gegeben werden. Da die Brut ausläuft sind die Ableger jetzt zügig zu erweitern. Bei Ablegern ab drei Brutwaben zeigt die Erfahrung, dass am sinnvollsten gleich der restliche Raum mit Mittelwänden zu bestücken ist. Diese werden dann zügig ausgebaut und können nach und nach in das Brutnest geschoben werden. Nach etwa vier Wochen füllt ein mit drei Brutwaben erstellter Ableger bereits 10 Waben mit 8 Brutwaben und kann im Magazinbetrieb mit der nächsten Zarge erweitert werden. Diese kann mit 2-4 Futterwaben, Leerwaben und je nach Jahreszeit mit Mittelwänden bestückt werden. Wird die zweite Zarge Anfang bis Mitte Juli aufgesetzt, so besetzt das Volk bereits im August zwei Räume und könnte theoretisch noch für die Heidetracht eingesetzt werden.
Füttern: Eine Fütterung sollte in der ersten Woche nach der Erstellung unbedingt vermieden werden, da ansonsten das Volk verhonigen könnte. Es sollte dann gefüttert werden, wenn die Bienen nur wenig Nektar eintragen (ca. Ende Juni), dann zunächst jeden Tag 1/4 -1/2 Liter Zucker- oder Honigwasser. Wenn ein zweiter Raum aufgesetzt wird, kann auch gleich die Eimerfütterung vorgenommen werden.
Kein Ausweichstand: Falls kein Ausweichstand vorhanden ist, so sollten mehr Bienen in die Ableger kommen und die Fluglöcher für 24 Stunden geschlossen werden. Es ist allerdings für eine ausreichende Lüftung und eine Wasserwabe pro Volk zu sorgen. Erst am nachfolgenden Abend werden die Fluglöcher geöffnet. Da die Bienen mehrerer Völker gemischt wurden, hat nun jeder Ableger einen eigenen Stockgeruch. Die ausfliegenden Bienen kehren dann in der Regel wieder zu ihm zurück. Die Königin wird erst nach zwei Tagen mittels Teigverschluss freigelassen.

2. Aufteilung von Völkern (effektivste Vermehrungsmethode):
Zeitpunkt: Methode kann von Mai bis Juli durchgeführt werden. Am sinnvollsten wird sie nach Abschluss der Frühtracht (Löwenzahn, heimischer Raps) bzw. nach der Rapstracht (höhere Lagen) vorgenommen. Es können Völker mit einem oder zwei Bruträumen zum Einsatz kommen. Der Honig der Honigräume sollte schleuderreif sein.
Durchführung: Zunächst werden die Bienen von den Honigwaben der Völker entfernt und diese können geschleudert werden. Dann werden die Brutwaben mit den anhaftenden Bienen in leere Bienenkästen gegeben, so wie oben bereits bei der konventionellen Methode erläutert. Die Waben mit Eiern und überwiegend offener Brut (je nach Jahreszeit 2-5 Waben) verbleiben im Restvolk, dieses behält auch beide Pollenwaben, während die nicht schleuderbaren Honigwaben mit in die Ableger kommen. Bei gutem Flugwetter sind dem Restvolk auch noch Waben mit Bienen abzufegen, da es ja die Flugbienen behält (besser abends oder morgens aufteilen). Das Restvolk wird nun noch mit Mittelwänden aufgefüllt und bleibt mit seiner alten Königin am alten Standort. Die entnommenen Brut und Futterwaben werden an den Ausweichstand verbracht und wie bereits bei der konventionellen Methode beschrieben aufgeteilt. Aus einem Volk mit 12 Brutwaben können somit 4-6 neue Völker erstellt werden, da ja wesentlich mehr Bienen als bei der konventionellen Methode in die Ableger kommen. Die Beuten sind unbedingt mit Mittelwänden oder Leerwaben aufzufüllen, da diese Einheiten sehr schnell erstarken. Die Königin wird analog der ersten Methode zugesetzt. Auch die weitere Pflege erfolgt wie oben geschildert.

3. Teilung der Völker nach der Sommertracht:
Zeitpunkt: Diese Methode kann nach der Sommertracht, also Mitte Juli durchgeführt werden, wenn die Völker dann noch sehr stark sind. Sie müssen beide Räume von Zweiraumbeuten bzw. drei Zargen im Magazin füllen. Die neuen Völker werden etwas schwächer aus dem Winter kommen als das ursprüngliche Volk, aber häufig dennoch gute Erträge aus der Frühtracht bringen, wenn junge Königinnen eingeweiselt wurden.
Durchführung: Nach dem Abschleudern des Honigs wird jedes Volk abends oder früh morgens gleichmäßig (Brut und Volk) aufgeteilt, wobei die offene Brut mit der alten Königin in der alten Beute verbleibt. Der Brutraum der Zweiraumbeuten wird mit 1-2 mal bebrüteten Leerwaben aufgefüllt. Auf die beiden aufgeteilten Magazinzargen kommt eine weiter Zarge mit den gleichen Leerwaben. Es können auch Futterwaben darunter sein. In dem weisellosen Volksteil wird eine Königin wie bereits zuvor beschrieben eingeweiselt. Die neu erstellten Volksteile kommen an einen separaten Stand (mindestens 2-3km Luftlinie). Nach einem Tag wird die Königin unter Teigverschluss freigelassen (falls Zellen vorhanden sind, diese ausbrechen und einen weiteren Tag warten) und der Eimer mit 3kg Zucker und 3 Liter Wasser aufgesetzt. Ebenso wird das Altvolk gefüttert.
Weitere Pflege: Nach einer Woche erfolgt die Kontrolle und Entnahme des Käfigs und die nächste Futterration wird verabreicht. Ende Juli, Anfang August kann die Varroadezimierung mit Ameisensäure und anschließend die Auffütterung erfolgen. Nach der Varroabehandlung kann das Altvolk noch umgeweiselt werden.

4. Aus 3 mach 2 und aus 4 mach 3 Plan:
Zeitpunkt: Im Magazinbetrieb sollen einerseits die Völker möglichst auf zwei Zargen eingewintert und andererseits jedes Jahr eine neue Königin bekommen. Gerade Ableger, die ab Juli gebildet wurden, erreichen häufig nicht die geforderte Einwinterungsstärke. Um diese Volksstärke dennoch zu erzielen, wird ein Altvolk nach Trachtschluss (Ende Juli bis Mitte August) auf 2 oder 3 Ableger aufgeteilt (je nach Stärke der Ableger und Altvölker).
Durchführung: Auf die zwei oder drei jeweils zu verstärkenden Ableger werden zunächst jeweils eine Leerzarge aufgesetzt und vor das Flugloch ein Einlaufbrett gestellt. Die Ableger dürfen nicht direkt nebeneinander stehen. Das aufzulösende Altvolk wird vom Zweitstand geholt. Wenn die Aktion mit der Abschleuderung verbunden wird, so wird nun Honigwabe für Honigwabe abwechselnd auf die Einlaufbretter der Ableger abgefegt und zur Schleuderung bereit gestellt. Die Brutwaben werden analog abgefegt und anschließend in die Mitte der auf den Ablegern befindlichen Zargen gestellt. Jeder Ableger bekommt etwa gleich viele Brutwaben und Bienen. Die alte Königin des Volkes wird abgedrückt. Wird sie nicht gefunden, so wird sie in der Regel von den Bienen des Ablegers getötet. Der restliche Raum wird möglichst mit 1-2mal bebrüteten Leerwaben aufgefüllt. Dunklere Waben kommen nach außen. Anschließend wird der Futtereimer aufgesetzt. Diese Form der Ablegerverstärkung eignet sich besonders gut in Kombination mit der konventionellen Methode.

5. Kleinstableger als Reserve oder zur Bestandsvermehrung im nächsten Jahr:
Zeitpunkt: Mitte Juli bzw. Anfang August, nach Trachtschluss. Mit dieser Methode werden 5 Wabenableger erstellt, die im nächsten Frühjahr und Sommer als Wirtschaftsvölker aufgebaut werden können. Sie stehen dann für die Heidetracht, die nächste Frühtracht oder zur Völkervermehrung zur Verfügung.
Durchführung: Nach der Abschleuderung werden ein oder mehrere Bienenvölker jeweils in 4 Ableger (5 Waben) aufgeteilt. Diese Ableger sollen möglichst gleich stark mit etwa der identischen Brutmenge gebildet werden. Die Altkönigin wird entfernt und es wird je eine 0-jährige Königin eingeweiselt (s.o.). Die Ableger werden auf einen Außenstand verbracht und die Königin nach 24h unter Futterteig freigelassen. Sinnvoll ist es stets zwei Ableger in eine Magazinzarge zu setzen und mit einer dünnen Hartfaserplatte zu trennen. Die beiden Völkchen können sich so optimal gegenseitig wärmen.
Füttern: Diese Ableger werden langsam aufgefüttert (ca. 1/2 -1 kg Zucker pro Woche). Sie benötigen insgesamt ca. 5-6 kg Futter. Der Futtervorrat muss nach der Einfütterung unbedingt kontrolliert werden, da diese Völkchen leicht im Winter und Frühjahr Mangel leiden können. 
Weitere Pflege: Nach einer erfolgreichen Überwinterung erstarken diese Ableger sehr schnell und müssen häufig bereits Anfang Mai in die normalen Beuten umgesetzt und mit Mittelwänden erweitert werden. Spätestens Ende Mai kann die nächste Zarge gegeben werden (Mittelwände, Leerwaben). Werden diese Ableger mit in die Rapstracht genommen, so kann eine Fütterung häufig bis zum Juli entfallen. Dann können sie wie reguläre Völker geführt werden.




 

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