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Die Honigbiene - als Bindeglied der Natur - bedarf der Fürsorge des Menschen. 

Von Dr. Thomas Klüner am 07.07.2002 aus Anlass des 10 jährigen Jubiläums des Lehrbienenstandes gehaltener Vortrag

Bereits vor 25 Millionen Jahren flogen staatenbildende Honigbienen durch die Wälder, Savannen und Steppen unseres Planeten. Lange bevor der moderne Mensch die Erde bevölkerte bestäubten die ersten Honigbienen die blütenbildenden Pflanzen. Es entwickelte sich zwischen blühenden Pflanzen und Honigbienen eine Zweckgemeinschaft. Die Pflanzen spenden den Bienen Nahrung in Form von zuckerhaltigem Nektar und eiweißreichem Blütenstaub, den Pollen. Mit dem Pollen ernähren die Bienen als echte Vegetarier ihren Nachwuchs; während der Nektar ihre eigene energieliefernde Nahrung darstellt. Um Nektar und Pollen zu ihren Nestern transportieren zu können, entstanden bei den Bienen der Honigmagen zur Speicherung des Nektars und die Körbchen an den Hinterbeinen zur Aufnahme des Pollens. Während die Bienen die wertvolle Fracht von den Blüten sammeln, werden sie durch die Staubbeutel der Blüten mit Blütenpollen, den männlichen Keimzellen der Pflanzen, bepudert. Fliegen Sie dann zur nächsten Blüte um Nektar oder Pollen zu sammeln, so fällt etwas von dem Blütenstaub auf die Narbe der Blüte, die die weiblichen Keimzellen der Pflanzen enthält. So kommt es zu einer effektiven Befruchtung, wir sagen häufig Bestäubung der Pflanzen.

Biene auf der Herbstsonnenbraut

Im Laufe des Jahres reifen Früchte und Samen der Pflanzen. Diese werden vom Wind oder Tieren ausgesät. Die Früchte der Pflanzen dienen den Tieren als Nahrung. Da die Samen Magen und Darm der Tiere häufig unverändert passieren, können sie durch die Tiere weit von der Mutterpflanze verbracht werden. Auch die Pflanzen passten sich mit der Zeit ihren Bestäubern an. Die Form der Blüte entspricht der Körperform der Bienen in der Weise, dass die Übertragung von Pollen auf die Narbe zwangsweise beim Nektarsammeln erfolgt. Damit die Bienen die richtigen Pflanzen besuchen, bildeten sich farbige Blüten und wohlriechende Blütendüfte aus.

Die Honigbienen ihrerseits entwickelten erstaunliche Fähigkeiten. Sie können die verschiedenen Blütenfarben, Formen und Gerüche unterscheiden. Im dunklen Bienennest (hohler Baum, Steinhöhle oder Bienenkasten) teilen sie ihren Schwestern durch besondere Tänze die Entfernung, Richtung, Art und Intensität der Nektar- oder Pollenquelle mit. Außerdem besucht eine einzelne Honigbiene immer nur Blüten einer einzigen Pflanzenart, solange diese Pflanzenart blüht. Wir Imker nennen diese Eigenschaft Blütenstetigkeit. Eine Honigbiene, die z.B. Kirschblüten besucht, wird nicht auf Birnenblüten sammeln. Die Blütenstetigkeit bringt den Pflanzen die Gewissheit, dass jeder Bienenbesuch mit einer erfolgreichen Bestäubung endet.

Honigbienen und blütenbildende Pflanzen konnten sich zu beiderlei Nutzen optimal aneinander anpassen; sie bilden eine Lebensgemeinschaft. Von dieser Lebensgemeinschaft haben aber noch viele andere Lebewesen Nutzen. Die Pflanzen selbst und ihre Früchte sind die Nahrungsgrundlage für viele Tiere. Diese Pflanzenfresser werden von den Fleischfressern verzehrt. Die Pflanzen bieten den Tieren aber auch Versteck- und Nistmöglichkeiten. Die Honigbienen selbst sind Nahrungsgrundlage für viele Insektenfresser. In einem Bienenvolk werden im Mai/Juni täglich 2000-3000 Bienen geboren, die nur wenige Wochen leben. Wenn sie nicht bereits von anderen Tieren (Mäuse, Igel, Frösche, Vögel, Spinnen, Insekten) gejagt und verspeist werden, so sterben sie nach 6-10 Wochen außerhalb der Bienenwohnung und werden dann von diesen Tieren verzehrt. Honigbienen sind also ein wichtiges Bindeglied in der Natur.

Honigbiene bestäubt Brombeerblüte

Warum wird gerade den Honigbienen dieser hohe Stellenwert zugeschrieben? Was ist mit der Bedeutung ihrer nahen und weiten Verwandten, z.B. den Hummeln und Wespen? Beide sind ebenfalls für den Naturhaushalt notwendig. Aber sie unterscheiden sich in zwei für die Bestäubung entscheidenen Eigenschaften von unseren Honigbienen. Nur die Honigbienen sind 100%-tig blütenstet. Während bei Hummeln also nicht jeder Blütenbesuch zur Befruchtung führt, ist dies bei den Honigbienen stets der Fall. Im Gegensatz zu allen anderen Fluginsekten, bei denen nur die Königin (weibliches Insekt) den Winter übersteht, überwintert bei den Honigbienen das komplette Volk (20.000 Arbeitsbienen mit einer Königin) auf seinem gesamten Wabenbau mit ausreichenden Futtervorräten. Gerade im Frühjahr, zur Zeit des großen Blühens, sind mehrere Tausendmal mehr Bienen als Hummeln und Wespen zur Stelle. Die wesentliche Befruchtungsarbeit wird also von den Honigbienen geleistet. Die anderen Insekten können die nötige Bestäubung der blütenbildenden Pflanzen nicht leisten.

Unsere Honigbienen bestäuben nicht nur die Naturpflanzen und erhalten uns damit unsere schöne artenreiche Heimat. Sie sind heute auch die wichtigsten Bestäuber für unser blütenbildenden Kulturpflanzen, also unserer eigenen Nahrungsgrundlagen. 2000-3000 Wild- und Nutzpflanzen sind auf die Bestäubung durch die Honigbienen angewiesen. Unsere Obstkulturen werden zu 80% von Honigbienen befruchtet. Ohne Bienenbeflug würden uns so manche fremdbestäubbare Obstsorte keine schmackhaften Früchte tragen. Eine ausreichende Bestäubung sichert einen reichen Samen- und Fruchtansatz, steigert das Fruchtgewicht und den Fruchtgeschmack. So beträgt der Mehrertrag an Samen beim Raps bei Bienenflug 50-120% mehr, als bei alleiniger Windbestäubung. Der mittelbare Nutzen der Honigbienen für die deutsche Landwirtschaft wird mit etwa 1 Milliarde Euro angegeben.

Vor 400.000 Jahren erschien der moderne Mensch auf der Erde. Er war zunächst als Sammler und Jäger unterwegs. Wie uns 14.000 Jahre alte Höhlenmalereien zeigen, sammelten die Steinzeitmenschen bereits den Honig aus wilden Bienennestern. Bereits vor 5000 Jahren begannen die Ägypter Honigbienen in Tonröhren zu halten. Von da an können wir die Bienen zu den Haustieren rechnen, auch wenn sie nie gezähmt werden konnten und ihre natürliche Eigenarten bewahrten. Noch heute leben in vielen Gegenden der Erde Honigbienen in den Wäldern, Steppen und Savannen, ohne die pflegende Hand des Menschen.

Ohne Bienen keine schönen Blumen!

Karl der Große erließ etwa um 800 n.Chr. die ersten Verordnungen über die Bienenzucht und führte auf seinen Krongütern, sicherlich auch im Sachsenland, in Paderborn, die Imkerei ein. Im Mittelalter wurde die Hausbienenzucht (Klotzbeuten und Körbe) wegen des Wachses für die Kerzen und das einzige Süßungsmittel Honig durch Klöster, Kirche und Adel gefördert. Jedes Bauergehöft besaß damals einige Bienenvölker. In Süddeutschland entstand eine eigene Zunft, die Zeidler. Sie hielten Bienen in den Wäldern in Bäumen, in denen sie mit dem Zeidelbeil Hohlräume als Bienenwohnung schlugen. In diese Hohlräume zogen dann Bienenschwärme ein, deren Honig die Zeidler raubten. Mit dem Aufkommen des Rohr- bzw. Rübenzuckers ging die Imkerei in Deutschland deutlich zurück. Im 19´en bis Mitte des 20´en Jahrhunderts wurden wieder mehr Bienenvölker gehalten. Zu dieser Zeit wurde die moderne Imkerei eingeführt und von Politik und Intelligenz gefördert. Nach dem zweiten Weltkrieg war so manche Familie auf das Zubrot durch die Imkerei angewiesen. Doch seit den 60´er Jahren des letzten Jahrhunderts nimmt die Anzahl an Honigbienenvölkern und Menschen, die sich mit den Bienen beschäftigen, stetig ab.

Unsere Honigbienen sind in Gefahr! Immer weniger Menschen widmen sich der faszinierenden Freizeitbeschäftigung Imkerei. Die notwendige flächendeckende Verteilung von Bienenvölkern ist nicht mehr allerorten gewährleistet. Es gibt bereits Gegenden ohne Honigbienen. Selbst in Salzkotten gibt es bereits ein Ortsteil ohne Bienen, Mantinghausen.

Warum können die Honigbienen nicht auch bei uns ohne die Hilfe des Imkers in der heimischen Natur überleben? Zwei wesentliche Gründe gibt es, warum die Honigbiene in Deutschland nicht mehr ohne die Fürsorge des Menschen existieren kann.

Zum einen hat der Mensch die Umwelt zu Ungunsten der Honigbienen verändert. In der Vergangenheit wuchsen in den Wäldern, Wiesen und Feldern Wildkräuter und die verschiedensten Gehölze, die vor allem den Bienen im Sommer ausreichend Honig zur Überwinterung lieferten. Mit diesem Mischhonig konnten die Bienen den Winter gut überstehen, da er in den Waben flüssig blieb. Heute besteht unsere Kulturlandschaft überwiegend aus Monokulturen und viele im Sommer blühenden Pflanzen (wie die Kornblume) sind verschwunden. Die Honigbienen können zwar im Frühjahr bedeutend mehr Honig als früher sammeln, aber im Sommer leiden sie an einigen Orten doch häufig Hunger. Der Imker muss zu diesen Zeiten seine Völker zu neuen, zum Teil weit entfernten, Trachtgebieten bringen.

Bliebe zudem der Frühjahrshonig als Überwinterungsfutter in den Waben der Völker, so würden sie bei vollen Waben verhungern. Der Frühjahrshonig ist bis zum Herbst fest geworden und von den Bienen im Winter nicht aus den Zellen aufzunehmen. Wegen der Kälte können die Bienen im Winter nicht ausfliegen und das zum Auflösen des kristallisierten Honigs notwendige Wasser in den Stock eintragen. Ohne ihre Energiequelle Honig erfrieren die Völker dann. So paradox es klingt, der "Honigdiebstahl" und die Einfütterung mit Zucker durch den Imker hilft den Bienen den kalten Winter zu überstehen.

Die andere Ursache ist noch kritischer für unsere heimischen Honigbienen; es ist der Bienenparasit Varroa destructor. Die Heimat dieser Milbe ist Asien. Dort lebt sie bereits seit Millionen von Jahren mit der Indischen Honigbiene Apis cerana. Diese Biene und damit auch Varroa destructor kommt nördlich des Himalaja, also in Russland, Europa und Afrika nicht natürlich vor. Leider hat der Mensch die Völker unserer westlichen Honigbiene Apis melifera südlich des Himalaja verbracht und nach einiger Zeit wieder zurückgeholt. In der Zwischenzeit gelang es der Milbe auf den neuen Wirt, die westliche Honigbiene, überzuwechseln. Mittlerweile ist sie in nahezu allen Völkern der westlichen Honigbiene, auf der ganzen Welt, zu finden. Während die Indische Honigbiene im Laufe ihrer Entwicklung Abwehrmechanismen gegen Varroa destructor ausbildete, fehlen diese bei unserer heimischen Honigbiene. Würde der Mensch nicht Maßnahmen gegen die Milben ergreifen, so stirbt ein befallenes Volk nach spätestens vier Jahren. Ohne die Pflege der Imker gäbe es in Europa vermutlich keine Honigbienen mehr.
Die Honigbiene benötigt also wegen der Aktivitäten des Menschen den Menschen, in Person des Imkers, um zu überleben. Zum Erhalt der Natur bedarf es also nicht nur Honigbienen, sondern auch Menschen, die sie pflegen, folglich Imkerinnen und Imker. Daher ist die Beschäftigung mit unseren Honigbienen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, die uns allen nutzt. Schützen Sie Bienen und werden Sie Imkerin oder Imker!

Honigbiene auf Kräuterblüte

Nicht jeder Mensch kann und möchte  Honigbienen halten. Aber es gibt andere Möglichkeiten das Überleben unserer Honigbienen und ihrer verwandten Insekten zu sichern:
· Bepflanzen des Gartens mit blühenden Bienennährpflanzen (z.B. Krokus, Herbstsonnenbraut)!
· Straßenränder, Hecken, Parks und öffentliche Anlagen können mit Bäumen, Sträuchern und Stauden (z.B. Saalweiden und Winterlinden) bepflanzt werden, die als Nahrungsgrundlage für Insekten dienen!
· Landwirte können stillgelegte Flächen und Brachen mit Trachtpflanzen (Kleearten, Phazelie, etc.) bestellen!
· Bienengefährlichen Spritz- oder Stäubmittel dürfen nicht in blühende Kulturen ausgebracht werden!
· Imkern können Standplätze für ihre Völker mit guter Bienenweide zur Verfügung gestellt werden!

Unsere Honigbiene - als Bindeglied der Natur - bedarf unserer aller Fürsorge!

Helfen Sie bitte mit, eine intakte Umwelt unseren Kindern und Enkeln zu erhalten.




 

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letzte Änderung: 25. September 2002