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Imkerverein Salzkotten
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Der eigene Wachskreislauf

Benötigt jede Imkerei ihren eigenen Wachskreislauf?

Seit Anfang der achtziger Jahre befinden sich in unseren Bienenvölkern Varroamilben, die großen Schaden anrichten können. Die Behandlung der Völker gegen die Milben war daher nötig, um eine Ausrottung der Bienen durch die Milben zu verhindern. Im Laufe der Jahre wurden verschiedene synthetische Bekämpfungsmittel (Folbex, Perizin, Bayvarol, Apistan, u.a.) und organische Säuren (Ameisensäure, Milchsäure, Oxalsäure) eingesetzt. Während die Säuren wasserlöslich sind, handelt es sich bei den synthetischen Mitteln um fettlösliche Stoffe. Diese Gruppe von Behandlungsmitteln sammelt sich nach dem Einsatz im Bienenwachs der Waben an. Da diese Substanzen sich auch während des Prozesses der Wachsverarbeitung nicht zersetzen, reicherten sie sich mehr und mehr im Wachs unserer Imkereien an. Zwar lösen sich diese Stoffe bevorzugt im Wachs, doch besitzen sie auch eine gewisse Wasserlöslichkeit. Daher wandert immer ein kleiner Teil der Behandlungsmittel aus den Waben in den darin gespeicherten Honig. Je höher der Gehalt im Wachs ist, um so höher ist er letztlich auch im Honig. Aus diesem Grund wurden bereits schon Rückstände von Varroa-Behandlungsmitteln in Honigen von deutschen Imkern nachgewiesen. Damit wir Imker unseren Honig mit gutem Gewissen selbst verzehren und an unsere Kunden verkaufen können, sollten wir auf den Einsatz von fettlöslichen Mitteln (dazu gehören auch ätherische Öle, wie z. B. Thymol) verzichten. Dieses allein reicht aber noch nicht aus, da wir durch den Wachsumtausch oder Zukauf in der Regel das Wachs anderer Imker erhalten, die weiterhin diese Gruppe von Behandlungsmitteln einsetzen. Daher empfiehlt der Imkerverein Salzkotten schon seit einigen Jahren den Einsatz von wasserlöslichen organischen Säuren und den Aufbau eines eigenen abgebenden Wachskreislaufes.

Vorschlag für den eigenen Wachskreislauf zur Verminderung der Belastung des Wachses durch fettlösliche Varroazide

Wie sieht der Wachskreislauf aus und wie wird er aufgebaut?

Aus dem Bienenvolk entnimmt der Imker neben den bebrüteten Altwaben (stärker belastet) auch Entdecklungswachs, unbebrütete Waben, Drohnen- und Wildbau (geringer belastet). Das entnommene Wabenwerk wird sortiert (Altwaben und anderer Bau) und getrennt weiterverarbeitet. Bevor das Entdecklungswachs eingeschmolzen werden kann, muss es von Honig befreit werden, indem es in heißem Wasser ausgewaschen wird. Das Honigwasser kann in den Beuten an die Bienen verfüttert werden. Um das Wachs aus dem Entdecklungswachs, den unbebrüteten Waben, dem Drohen- oder Wildbau zu gewinnen, kann der vereinseigene Dampfwachsschmelzer ausgeliehen werden. Darin finden zehn komplette Waben mit Rahmen Platz und können nach Anschluss des Gerätes an die Wasser- und Stromversorgung in etwa 20 Minuten ausgeschmolzen werden. Das schon vorgereinigte Wachs kann in einem Eimer oder Topf (enthält ca. 5 cm Wasser) aufgefangen werden. Bei diesem Verfahren werden gleichzeitig die Rahmen desinfiziert und bei Verwendung von Edelstahldraht für die Rähmchen entfällt auch ein wiederholtes Drahten dieser. Nach dem das erkaltete Wachs aus dem Auffanggefäß entnommen und der Boden des Blocks grob gesäubert (abkratzen) wurde, sollte er noch einmal in einem konischem Gefäß mit ca. 5 cm Wasser verflüssigt werden (z.B. Wasserbad im Einkochtopf mit 80°C). Die anschließende Reinigung des Bodens kann gut mit einem Hochdruckreiniger oder durch Abkratzen (auch Abhobeln) erfolgen. Dieses gereinigte Wachs muss nun in 5 mm dicke und ca. 70 cm lange Platten gegossen werden, deren Breite der des verwendeten Wabenmaßes entspricht. Die benötigten Formen sollte sich der Imker selbst bauen. Da sie nur wenige Tage im Jahr benötigt werden, können sich mehrere Imker diese gemeinsam anfertigen. 

Die Mittelwandwalzanlage des IV Salzkotten in Aktion.

Aus je einer dieser Platten können dann 9-10 Mittelwände mit der vereinseigenen Mittelwandwalze produziert werden. Das Auswalzen geschieht an festgesetzten Terminen beim Gerätewart. Beim Auswalzen seiner Waben ist die Mitarbeit des Imkers und eine vorherige Anmeldung erforderlich. Zur Deckung der Kosten sind pro kg fertige Mittelwände 1,00 € zu zahlen. Die Herstellungskosten liegen also deutlich unter den Umarbeitungskosten von 2,50-3,00 € des Imkereihandels. Von diesen Mittelwänden sollten so viele wie möglich in den Völkern ausgebaut werden (min. 10-20) um die fettlöslichen Varroa-Bekämpfungsmittel zu verdünnen. Bei guter Tracht und Wanderung (z.B. Raps) können bis zu 40 Mittelwände ausgebaut werden. Die Bienen bauen die Waben sehr gut im Honigraum und dem Brutraum unterhalb des Honigraums aus (Betriebsweise).

Die Mittelwand kommt sauber geprägt aus der Walzanlage heraus.

Aus einer Wachsplatte wird eine Mittelwand gewalzt aus der 10 DN-Mittelwände geschnitten werden können.

Die entnommenen bebrüteten Waben werden ebenfalls eingeschmolzen und das Wachs gereinigt. Aus dem erhaltenen Wachs sollten nach Möglichkeit Kerzen hergestellt werden, um dieses stärker belasteten Wachs aus dem Kreislauf auszuführen (abgebender Wachskreislauf) und damit die Varroa-Bekämpfungsmittel zu entfernen. Die Kerzen können verkauft, verschenkt oder selbst verwendet werden. Sie können mittels spezieller Formen (Informationen gibt der Gerätewart) oder durch Drehen von zuvor hergestellten Mittelwänden um einen Docht angefertigt werden. Die Mittelwände können wiederum mit dem vereinseigenen Walzwerk angefertigt werden und sollten strikt von den aus Entdecklungswachs, unbebrüteten Waben u.a. hergestellten, getrennt werden. Sie sollten nur dann in die Völker gegeben werden, wenn nicht ausreichend weniger belastete Mittelwände vorhanden sind (Start des Wachskreislaufes, Beginn der Imkerei, Vergrößerung der Völkerzahl u.a.). Zur Bekämpfung der Milbe sollten lediglich wasserlösliche organische Säuren eingesetzt werden und Drohnenbrut mittels Baurahmen entnommen werden.

Zuschneiden der Mittelwände auf das Standmaß.

Wo bekommen Sie weitere Informationen zum Wachskreislauf?

Weitere Informationen erteilt sicherlich Ihr Nachbarimker und der Vereinsvorstand, aber auch der Besuch unserer Versammlungen bietet sich an, um über dieses Thema zu sprechen. An den Terminen zur Mittelwandherstellung kann sich auch vor Ort über den Wachskreislauf informiert und die Qualität der hergestellten Mittelwände begutachtet werden. Die Mitglieder unseres Vereins sind aufgerufen das Angebot zur Herstellung von Mittelwänden fleißig zu nutzen, damit wir auch weiterhin Honig höchster Qualität produzieren und mit bestem Gewissen genießen können. Dieses Ziel kann mit dem eigenen abgebenden Wachskreislauf und dem Leitspruch für die Betriebsweise "bauen lassen, bauen lassen, bauen lassen" erreicht werden.




 

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letzte Änderung: 04.04.02